Hutprojekt, Freie Schule, Sommer 1999

von Sissi Nielson

Zum Projekt

Kleine Hut Kunst

Welche Hüte werden zu welchen Anlässen von wem getragen?

Wieso war und ist es für die Menschen in allen Teilen der Erde so wichtig, ihren Kopf zu schmücken, zu schützen, zu betonen?

Welche Funktionen, bzw. Berufsgruppen sind anhand ihrer Kopfbedeckung zu erkennen? Aus welchen Materialien können Hüte, Kopfbedeckungen oder Hutobjekte hergestellt werden?

Viele Fragen und noch viel mehr Antworten beschäftigten uns zu Beginn unseres Projektes und es war bald sehr klar, dass Hutobjekt ein sehr weites Feld ist.

Gemeinsam schauten wir uns dann noch viele unterschiedliche Hüte an. Vor allem Arbeiten von Adele List, Modistin (1893 - 1983) und Karin Bergmayer, eine zeitgenössische Hutkünstlerin, betrachteten wir ganz genau.

Drachenhut, Entwurf von Dejan Thayenthal

Danach ging es ans Entwerfen. Das sind dann die Momente, in denen einem warm ums Herz wird und man nur staunend durch die Räume schlendert und fasziniert ist, was den Kindern so alles einfällt. Das Entwerfen dauert bei Kindern nie besonders lange, sie wissen sehr schnell, was sie wollen und haben das dann auch gleich zu Papier gebracht. Viel mehr Zeit hingegen benötigte das Besprechen der Umsetzung der einzelnen Entwürfe. Jedes Kind hatte nun zwei Wochen Zeit, die unterschiedlichsten Materialien, angefangen von alten Schachteln, Klopapierrollen über Stoffe, Bänder, Stanniolpapier bis hin zu Schmuckelementen wie Glitzersteine, Federn, Glockerln und noch vieles mehr zu besorgen.

Am 14. Juni war es dann soweit. Die harte Arbeit konnte beginnen. Am ersten Tag wurde mit alten Schachteln, Karton und Stanniolpapier an der Grundform des Hutes gebaut, die dann mit Kleisterpapier überzogen wurde. An den darauffolgenden Tagen bekamen die Objekte Farbe. Teils wurden sie angemalt, teils beklebt, ja teilweise sogar mit Stoff eingenäht.

Das heurige Kunstprojekt war insofern sehr schwierig, als man nicht nur eine Technik erlernen und anwenden musste, sondern sehr viele unterschiedliche Techniken, Materialien und Werkzeuge zum Einsatz kamen.

Grashut, Entwurf von Nataiyu Trescher

Es war für mich wieder einmal sehr beeindruckend, wie Kinder im Volksschulalter drei Tage lang jeweils 8 Stunden lang konzentriert an ihren Objekten arbeiteten, denn das war wirklich Schwerstarbeit. Das Dopingmittel hieß wohl Lust und Freude am Werken und vor allem die Begeisterung fur ihr eigenes Kunstwerk. Ich weiß ja schon lange, dass Hofmühlgassenkinder etwas ganz Besonderes sind und ganz Besonderes leisten, aber es ist immer wieder erstaunlich, WAS in so einer Projektwoche entstehen kann.

Wenn Kinder ihre eigene Arbeit und Leistung wertschätzen können, dann sehen sie auch die Arbeit der anderen und können diese schätzen. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wenn die Kinder dann in einer Pause durch die Arbeitsräume gehen und die Arbeiten der anderen bewundern.

Zum kreativen Arbeiten braucht man viel Raum, viel Freiheit, viel Phantasie, gutes Material und die Möglichkeit an seiner Arbeit dranbleiben zu dürfen. In der freien Schule Hofmühlgasse findet man alle diese Voraussetzungen und ich bin wirklich froh, dass ich in dieser Schule arbeiten kann, weil ich sonst nicht wüßte, was in einer Schule so alles möglich ist.

 














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